Märchenhafte Pferde

 

 

 

Wer Friesen liebt, kennt die wundervollen Eigenschaften dieser alten Rasse. Aus der Kreuzung mit anderen Pferderassen, meistens Englischen Vollblütern oder Warmblütern, entstand das Friesische Sportpferd. Für manche handelt es sich bei diesen Kreuzungen um eine richtige Rasse, für andere mehr um einen Pferdetyp. Aber jeder, der einmal ein Friesisches Sportpferd geritten hat, weiß, wie gut diese Pferde Dressur gehen, springen oder vor der Kutsche laufen. Abgesehen von ihren sportlichen Leistungen geben die Friesischen Sportpferde hervorragende Freizeit- und Geländepferde ab.

 

Obwohl Kreuzungen mit Friesen schon lange gezüchtet werden, erfreut sich das Frie-sische Sportpferd vor allem in den letzten Jahren großer Beliebtheit. Um als ein solches Pferd eingetragen zu werden, muss es mindestens 25 Prozent Friesenanteil haben.

 

Friesische Sportpferde sind bekannt für ihr sanftes Wesen und ihren Wunsch, es dem Reiter recht zu machen. Sie verfügen außerdem über viel Ausdauer und sind sehr athletisch. Wie die meisten Warmblüter reifen sie körperlich und seelisch eher langsam.

 

Der Körperbau ist nicht ganz einheitlich und hängt davon ab, mit welchen Blutlinien gekreuzt wurde. Er variiert von einem leichteren Sport- bis hin zu einem schwereren Barocktyp. Viele Friesische Sportpferde haben den hoch angesetzten, schön geschwungenen Hals des Friesen. Der Körper ist gut proportioniert und der Schweif ist lang und dick. Die Größe variiert, liegt aber durchschnittlich bei etwa 155 cm.

 

Im Gegensatz zu den reinen Friesen sind beim Friesischen Sportpferd alle Farben erlaubt, am häufigsten kommen Dunkelbraune und Rappen vor.

 

Selbst die Glücklichen unter uns, die im Laufe der Jahre einige Pferde besitzen durften, haben oft ein Lieblingspferd, das ihnen ganz besonders nahe steht. Für Tanya Herrmann-Corbeil ist Satriani das Pferd ihres Lebens.

 

Satriani war ein Friesisches Sportpferd, der Sohn eines eingetragenen Friesenhengstes und einer nicht eingetragenen Rappstute im Vollbluttyp. Sein glänzendes Fell war schwarz wie Kohle, und es gab kein einziges weißes Haar an seinem Körper.

 

Satriani wurde in Minnesota gezogen, und Tanya kaufte ihn als sechs Monate alten Absetzer. Sie holte ihn auf ihre Farm in Myakka City, Florida, und als der Youngster größer wurde, begann sein Training.

 

Tanya stammt aus einer echten Pferdefamilie. Ihre Mutter ist im Zirkus aufgetreten, und ihr Vater, Harry Herrmann, trainierte und ritt die königlichen Lipizzaner-Hengste. Tanya ritt ohne Sattel, voltigierte und reiste ein Jahrzehnt lang mit einer Zirkusgruppe.

 

Als es ans Training ging, erwies Satriani sich als ein großes Naturtalent. Wissbegierig stürzte er sich auf alles Neue und zeigte sich dabei als sehr intelligent. Tanya lehrte ihn, ohne Sattel und Trense in allen drei Gangarten geritten zu werden und währenddessen noch Kunststücke zu machen. Satriani war ein echter Experte beim Verstehen der Körpersprache und reagierte blitzschnell auf Tanyas Hilfen.

 

Die beiden waren ein Jahr lang mit einem Zirkus unterwegs und traten an der gesamten amerikanische Westküste auf. Satriani liebte das Scheinwerferlicht. Bei seinem Soloauftritt musste er unter hellen, bunten Scheinwerfern mit einer Nebelmaschine vors Publikum, doch er hatte überhaupt keine Probleme damit. Er kniete sich hin, machte Kompliment und legte sich auf Kommando hin. Bei vielen ihrer Auftritte ritt Tanya ihn ohne Sattel und Trense. Satriani liebte den Applaus und genoss es, im Mittelpunkt zu stehen.

 

Als Satriani fünf Jahre alt war, wurde es Zeit für das talentierte junge Pferd, seine Dressurkarriere zu starten. Er kannte bereits viele Tricks aus dem Zirkus, aber jetzt musste er noch mehr lernen. Tanya verkaufte Satriani an seine neue Besitzerin Debbie Knott, und der schwarze Hengst war schon bald auf dem Weg zur Flat Iron Farm in Great Mills, Maryland.

 

Dank Satriani wurden Tanya und Debbie enge Freundinnen. Als Debbie Tanya bat, ihr bei Satrianis Dressurausbildung zu helfen, zog diese nach Maryland.

 

Der freundliche schwarze Hengst lernte die Dressur genauso schnell, wie er alles andere auch gelernt hatte. Während seiner Wettbewerbszeit hat er viele Siegerschleifen gewonnen. Selbst wenn er gegen große Warmblüter antrat, konnte Satriani mit seinen gerade mal 152 cm Stockmaß viele der größeren Pferde hinter sich lassen.

 

Satriani war extrem freundlich und sanft. Selbst Kinder konnten mit ihm umgehen, und viele Leute, die den hübschen Rappen das erste Mal sahen, waren erstaunt, dass es sich bei ihm um einen Hengst handelte. Jeder liebte das Pferd, das sogar einen Menschen „umarmen“ konnte, indem es seinen mächtigen Hals um ihn legte und ihn sanft an seine Brust drückte.

 

 Nach einigen Jahren beschlossen Tanya und Debbie wegen des wärmeren Klimas nach Florida zu ziehen. Satriani ging natürlich mit ihnen. Die Verbindung, die durch dieses einzigartige Pferd entstanden war, dauert immer noch an.

 

Auf der Farm in Ocala, Florida, sprang Tanya oft auf Satrianis ungesattelten Rücken, und er rannte verspielt wie ein Fohlen mit ihr über die Koppel. Der Hengst trat bei verschiedenen Anlässen noch mit seiner Freiheitsdressur auf und mochte es ganz besonders, wenn er der Star vor einem Publikum aus Kindern war.

 

 Es war ein dunkler Tag im Oktober 2009, als Tanya zum Füttern ging und bemerkte, dass ihr geliebtes Pferd eine Kolik hatte. Der Tierarzt konnte Satriani nicht mehr retten und musste ihn einschläfern. Tanya und Debbie waren am Boden zerstört.

 

Satriani galoppiert und piaffiert jetzt über die üppigen Wiesen im Himmel. Die Erinnerung an ihn macht die glücklich, die ihn geliebt haben.

 

 

 

    


 

 

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